Die Tangent ASG 29 ist ein Scale-Segler für Piloten, die saubere Linien, präzises Gleiten und eine glaubwürdige Silhouette suchen. Ich ordne das Modell technisch ein, vergleiche die gängigen Größen und zeige, welche Elektronik, Einstellungen und Startarten wirklich sinnvoll sind. Genau an diesen Stellen trennt sich ein schön aussehender Segler von einem Modell, das auch im Alltag zuverlässig funktioniert.
Die wichtigsten Punkte zur ASG 29 auf einen Blick
- Der Vorbildsegler stammt von Alexander Schleicher und steht für hohe Leistung im 18-Meter-Segment mit optionaler 15-Meter-Konfiguration.
- Im Modellbau taucht die Baureihe vor allem als 3-m-Fertigmodell und als deutlich größerer 6-m-Scale-Segler auf.
- Die 3-m-Version ist transportfreundlich und mit rund 1,85 kg noch gut alltagstauglich; die 6-m-Version verlangt mehr Platz, Helfer und sorgfältige Elektronikplanung.
- Schwerpunkt, EWD, Servokraft und Butterfly-Mischung entscheiden bei diesem Modell mehr über das Flugbild als rohe Motorleistung.
- Wer Thermik, Hang und F-Schlepp sauber beherrschen will, bekommt mit der ASG 29 ein sehr ehrliches Modell mit klarer Rückmeldung.
Was die Tangent ASG 29 ausmacht
Der Vorbildsegler ASG 29 von Alexander Schleicher wurde für die 18-Meter-Klasse entwickelt und kann mit kürzeren Außenflächen auch in der 15-Meter-Klasse geflogen werden. Genau das macht die Modellumsetzung so interessant: Sie übernimmt nicht nur die Form, sondern auch den funktionalen Charakter eines modernen Hochleistungsseglers.
Ich mag an dieser Baureihe, dass sie nicht auf Showeffekte angewiesen ist. Die langen Querruder, die Wölbklappen und der schlanke Rumpf wirken nicht dekorativ, sondern zweckmäßig. Wer dieses Modell sauber einstellt, bekommt ein sehr ruhiges, effizientes Flugbild. Wer schlampig baut, sieht die Fehler sofort. Das ist ehrlich, manchmal auch gnadenlos, aber genau deshalb lernt man an diesem Segler viel. Wer das einordnet, kann die passende Größe deutlich besser wählen.
Welche Version der Tangent ASG 29 sinnvoll ist
Die Baugröße bestimmt bei diesem Modell fast alles: Transport, Startart, Zeitaufwand und auch die Toleranz gegenüber Einstellfehlern. Bei Lindinger wird die 3-m-Fertigversion mit 3000 mm Spannweite und rund 1850 g Fluggewicht geführt; größere 6-m-Ausführungen liegen dagegen bei etwa 11 bis 13 kg und spielen klar in einer anderen Liga.
| Merkmal | 3-m-Version | 6-m-Version |
|---|---|---|
| Spannweite | 3000 mm | 6000 mm |
| Fluggewicht | ca. 1850 g | ca. 11 bis 13 kg |
| Transport | Passt in viele PKW und ist allein gut zu handhaben | Braucht viel Platz, sichere Transportlösung und meist mehr als eine Person beim Handling |
| Startarten | Hangflug, F-Schlepp, Seilstart | Vor allem F-Schlepp, je nach Ausrüstung auch Sonderlösungen |
| Aufwand | Moderat | Deutlich höher, vor allem bei Elektronik, Transport und Aufbau |
| Typische Zielgruppe | Fortgeschrittene Piloten, die ein alltagstaugliches Scale-Modell wollen | Erfahrene Scale-Piloten, die Platz und Routine mitbringen |
Die 3-m-Ausführung ist die vernünftige Wahl, wenn du häufig fliegst, allein aufbaust und ein Modell willst, das ohne großen Logistikaufwand in den Alltag passt. Die 6-m-Version ist der bessere Griff, wenn du Platz, Helfer und eine saubere Startorganisation hast und dir das große Scale-Gefühl wichtiger ist als Bequemlichkeit. Der nächste Punkt ist deshalb nicht die Optik, sondern die Technik unter der Haube.
Die Technik, die den Unterschied macht
Bei der ASG 29 entscheidet die Elektronik nicht nur über Funktion, sondern direkt über das Flugbild. Ich würde hier nie am falschen Ende sparen, weil ein guter Segler mit weichem Servo, Spiel in der Anlenkung oder schwacher Versorgung sofort an Präzision verliert.
Servos und Anlenkungen
Für die 3-m-Version reichen solide Digitalservos mit Metallgetriebe und sauberer Mittelstellung. Bei größeren Ausführungen wird es schnell anspruchsvoller: In dokumentierten 6-m-Aufbauten arbeiten in der Fläche Servos in der 13,5-kg- und 22-kg-Klasse. Das zeigt ziemlich klar, dass es hier nicht um Kleinservos für leichte Schaummodelle geht. Ich setze bei dieser Baureihe auf spielfreie Gestänge, kurze Hebelwege und robuste Ruderhörner.
Stromversorgung und Empfänger
Bei einem Segler mit Wölbklappen, Querrudern und sauberem Butterfly-Setup sind schnell viele Kanäle belegt. Ich plane in so einem Modell mindestens sechs, in der Praxis eher sieben bis neun Kanäle ein, sobald getrennte Flächenservos und Telemetrie dazukommen. Für die 3-m-Version kann eine hochwertige Einzelversorgung noch reichen, aber bei der 6-m-Klasse würde ich eine redundante Stromversorgung mit zwei Akkus und einer stabilen Verteilerlösung bevorzugen. Ein Vario ist aus meiner Sicht nützlicher als jedes dekorative Zusatzmodul, weil es im Kreisflug sofort Rückmeldung gibt.
Schwerpunkt, EWD und Ballast
EWD steht für Einstellwinkeldifferenz, also den kleinen Winkelunterschied zwischen Tragfläche und Leitwerk. Bei der ASG 29 ist das kein Detail für Perfektionisten, sondern eine Stellschraube mit spürbarem Effekt. Ich gehe bei Erstflügen lieber minimal kopflastig an die Sache heran und trimme mich dann sauber in Richtung Neutralflug. Ein dokumentierter 6-m-Aufbau lag bei 105 bis 107 mm Schwerpunkt und etwa 1,3 Grad EWD; in einem anderen Aufbau waren 11,37 kg Abflugmasse mit 840 g Trimmblei notiert. Das zeigt gut, wie stark sich die Endcharakteristik über Innenausbau und Ballast verschiebt.
Bei 124 dm² Flächeninhalt liegt die große Version grob bei 92 bis 102 g/dm² Flächenbelastung. Das ist kein Leichtgewicht, aber genau deshalb bleibt das Modell im Wind ruhig und erwachsen. Ballast ist hier kein Notbehelf, sondern ein Werkzeug für passende Wetterbedingungen. Erst wenn diese Grundlagen stimmen, zeigt die ASG 29 ihre saubere Flugcharakteristik.

So fliegt die ASG 29 in der Praxis
Die ASG 29 will nicht hektisch geflogen werden. Sie reagiert sehr klar auf saubere Rudereingaben, auf vernünftige Kreisflugkoordination und auf ein Setup, das nicht permanent gegen die Aerodynamik arbeitet. Genau das macht den Reiz aus: Wenn alles passt, wirkt das Modell ruhig, präsent und erstaunlich effizient.
In der Thermik
In der Thermik zeigt der Segler seine stärkste Seite. Ich fliege ihn mit eher kleinen Ausschlägen und nur so viel Wölbklappe, wie der Bart tatsächlich hergibt. Zu viel Camber macht das Modell nicht schneller gut, sondern nur träger und im Kreis unruhiger. Die 3-m-Version fühlt sich dabei lebendiger an und lässt sich enger zirkeln, während die 6-m-Version mehr Raum braucht, dafür aber sehr souverän durch den Aufwind zieht.
Am Hang und im Schlepptow
Am Hang passt die ASG 29 gut, wenn die Bedingungen nicht zu ruppig sind und der Pilot einen ruhigen Stil bevorzugt. In stärkerem Wind bringt die große Version mit etwas Ballast sichtbar mehr Ruhe in die Bahn. Im F-Schlepp ist ein sauber neutral getrimmter Flieger Gold wert, weil der Segler dann nicht ständig mit dem Schleppzug kämpft. Gerade bei Scale-Seglern zahlt sich ein präziser Geradeausflug in jeder Phase aus.
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Bei der Landung
Die Landung ist der Moment, in dem gutes Setup sichtbar wird. Butterfly oder Crow muss früh genug getestet werden, idealerweise weit oben, bevor du den Endanflug fliegst. Ich beginne immer mit wenig Bremsweg und arbeite mich in kleinen Schritten heran, bis die Nase stabil bleibt und das Modell sauber sinkt. Wenn die Mischung zur Höhenruderkompensation stimmt, landet die ASG 29 erstaunlich planbar. Genau hier passieren die meisten Setupfehler.
Typische Fehler beim Aufbau und beim Erstflug
Die meisten Probleme bei diesem Modell sind keine Konstruktionsfehler, sondern Einstellfehler. Das ist wichtig, weil du dir damit viele unnötige Diskussionen sparst: Das Modell fliegt nicht schlecht, es ist nur oft nicht sauber vorbereitet.
- Zu hecklastiger Schwerpunkt - Das Modell wird nervös, nickt leicht an und verzeiht im Langsamflug deutlich weniger. Ich würde immer minimal kopflastig starten.
- Zu große Ruderausschläge - Besonders bei Höhe und Wölbklappen macht das den Segler unruhig und nimmt ihm die elegante Linie.
- Butterfly ohne saubere Beimischung - Das Ergebnis ist dann entweder ein Aufbäumen oder ein unangenehmes Durchsacken im Endanflug.
- Schwache Stromversorgung - Bei mehreren Flächenservos und langen Leitungen ist die Reserve entscheidend, nicht die Nennspannung auf dem Papier.
- Spiel in den Anlenkungen - Schon kleine Toleranzen wirken sich bei einem Scale-Segler deutlich auf die Präzision aus.
Ich mache vor dem Erstflug immer einen trockenen Funktionscheck, prüfe die Ruderrichtungen, teste die Butterfly-Wirkung mit viel Höhe und fliege die ersten Minuten bewusst konservativ. Lieber drei Landungen zu ruhig als eine zu ambitioniert. Das führt direkt zum Kaufblick.
Worauf ich vor dem Kauf achten würde
Gerade bei einer Scale-Baureihe wie dieser zählt nicht nur der Zustand des Rumpfs, sondern vor allem die Qualität der Details. Eine gut aufgebaute ASG 29 ist deutlich mehr wert als ein hübsches, aber unklar dokumentiertes Modell mit fragwürdiger Elektronik.
| Prüfpunkt | Warum er wichtig ist |
|---|---|
| Flächen und Wurzelbereiche | Hier zeigen sich Transportspuren, Spiel in der Steckung und unsauber reparierte Schäden zuerst. |
| Wölbklappen, Querruder und Scharniere | Schon minimales Spiel verschlechtert das Flugbild und macht das Butterfly-Setup ungenau. |
| Servos und Verkabelung | Alter, Typ und Einbauqualität sagen viel darüber aus, ob du später nachrüsten oder direkt fliegen kannst. |
| Schwerpunkt- und Einstelldaten | Dokumentierte Werte sparen sehr viel Zeit beim Erstaufbau und reduzieren das Risiko von Überraschungen. |
| Transport- und Lagerhistorie | UV-Schäden, Verzug oder Druckstellen entstehen oft nicht im Flug, sondern im falschen Alltag. |
Wenn ich heute entscheiden müsste, würde ich ein sauber dokumentiertes Exemplar klar einem perfekt glänzenden, aber technisch fragwürdigen Modell vorziehen. Bei der ASG 29 ist die Qualität des Aufbaus oft wichtiger als die reine Optik. Und genau deshalb bleibt dieses Modell für viele Modellbauer so interessant.
Warum die ASG 29 auch 2026 noch überzeugt
Auch 2026 bleibt die ASG 29 relevant, weil sie zwei Dinge verbindet, die oft getrennt auftreten: eine elegante, sehr glaubwürdige Linienführung und ein Flugverhalten, das nicht bloß schön aussieht, sondern wirklich brauchbar ist. Der Vollmaßstab wurde inzwischen zwar von moderneren Mustern wie der AS 33 abgelöst, aber das ändert nichts daran, dass die ASG 29 für Modellbauer ein sehr starker Referenztyp bleibt.
Für mich ist das der entscheidende Punkt: Die ASG 29 belohnt gutes Setup sichtbar, ohne dabei unnötig kompliziert zu sein. Wer ein Scale-Modell sucht, das nicht nur im Regal überzeugt, sondern auch im Kreisflug, im Schlepptow und bei der Landung, findet hier eine sehr solide Wahl. Mein Rat wäre deshalb klar: lieber in spielfreie Anlenkungen, saubere Stromversorgung und eine sorgfältige Erstflug-Programmierung investieren als in überflüssiges Zubehör. Dann zeigt die ASG 29 genau das, wofür sie gebaut wurde - ruhige Leistung mit Charakter.
