Fantrainer 600 erklärt - Original oder Micro-EDF-Modell?

Elmar Völker • 1. November 2026
Drei Fanjet 600 Flugzeuge im Formationsflug über ländlicher Landschaft.

Inhaltsverzeichnis

Wer ein kleines EDF-Modell mit ungewöhnlicher Bezeichnung kaufen oder technisch einordnen möchte, landet schnell bei einem wichtigen Unterschied. Hinter dem Begriff Fanjet 600 stecken im Modellbau das historische Schulflugzeug Fantrainer 600 und ein kleines Pichler-Micro-EDF-Modell mit Elektroantrieb. Ich zeige, worin sich beide Varianten unterscheiden, welche technischen Daten belastbar sind und worauf es bei Akku, Regler, Impeller und sicherem Betrieb ankommt.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

  • Zwei Bedeutungen: Das Original ist ein zweisitziges Schulflugzeug, die Modellbauvariante ein kleines Elektro-EDF-Modell.
  • Originalantrieb: Der Fantrainer nutzt eine Allison- beziehungsweise Rolls-Royce-M250-C30-Turbowelle mit etwa 650 shp.
  • Micro-EDF: Das Pichler-Modell hat 360 mm Spannweite, rund 29 g Fluggewicht und ist für einen 2S-Akku mit 260 mAh ausgelegt.
  • Wichtigste Kaufentscheidung: Wer eine Turbine erwartet, braucht ein anderes Produkt. Das Micro-Modell arbeitet mit Elektromotor und Impeller.
  • Praxis-Tipp: Akkugewicht, Schwerpunkt und Stromaufnahme sind wichtiger als eine möglichst hohe Spannung.

Pilot in Lederjacke sitzt im Cockpit des silber-schwarzen Fanjet 600.

Was sich hinter der Bezeichnung wirklich verbirgt

Der große Fantrainer 600 ist kein einzelnes kleines Strahltriebwerk, sondern ein deutsches zweisitziges Schulflugzeug von Rhein-Flugzeugbau. Die Bezeichnung FT-600 bezog sich auf die stärker motorisierte Variante des Fantrainers, die ab etwa 1980 mit einer C30-Version der Allison-Turbine verbunden wurde.

Der Antrieb sitzt hinter dem hinteren Cockpit und treibt einen großen Mantelpropeller an. Technisch handelt es sich deshalb eher um eine Turbowelle mit Mantelschraube als um einen klassischen Turbojet. Das Flugzeug sollte sich ähnlich wie ein Jet fliegen, dabei aber deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen und geringere Betriebskosten verursachen.

Variante Was sie ist Antrieb Typischer Einsatz
Fantrainer 600 Zweisitziges Schulflugzeug M250-C30-Turbowelle mit Mantelfan Militärische und zivile Flugausbildung
Fan Jet 600 Micro EDF Kleines RC-Schaummodell Elektromotor mit Impeller Hallenflug und ruhiges Wetter im Freien

Für eine Modellbau-Website mit Schwerpunkt Elektronik und Antrieb ist diese Trennung entscheidend. Wer nach einer kleinen Turbine für ein Flugmodell sucht, findet unter dieser Bezeichnung wahrscheinlich nicht das erwartete Produkt. Wer dagegen ein leichtes Indoor-Modell meint, ist beim Micro-EDF-Konzept richtig.

Der Antrieb des Originals ist keine Modellbauturbine

Im Fantrainer 600 arbeitet eine Allison 250-C30, die heute häufig unter der Bezeichnung Rolls-Royce M250-C30 geführt wird. Die Leistung liegt bei ungefähr 650 shp. Diese Einheit beschreibt die Wellenleistung und darf nicht mit dem Standschub eines Turbofan- oder Modellstrahltriebwerks verwechselt werden.

Der Mantelfan hat beim Original einen Durchmesser von etwa 1,20 Metern. Die Luft wird durch den großen Fan beschleunigt, während die Turbine die Antriebsleistung über eine Welle bereitstellt. Genau diese Kombination sorgt für das jetähnliche Fluggefühl, ohne dass ein reiner Turbojet mit hoher Abgastemperatur und entsprechendem Kraftstoffverbrauch nötig ist.

Merkmal Richtwert des Fantrainer 600
Besatzung 2 Personen in Tandemanordnung
Triebwerk Allison beziehungsweise Rolls-Royce M250-C30
Leistung etwa 650 shp
Fan-Durchmesser rund 1,20 m
Spannweite etwa 9,70 m
Reisegeschwindigkeit ungefähr 200 Knoten in geringer Höhe
Maximale Startmasse je nach Ausführung etwa 1.800 bis 2.300 kg

Die unterschiedlichen Gewichtsangaben sind kein Widerspruch, sondern hängen mit der jeweiligen zivilen oder militärischen Konfiguration zusammen. Auch bei Reichweite und Ausrüstung gibt es Abweichungen. Ich würde deshalb immer prüfen, ob sich eine technische Zahl auf das historische Flugzeug, eine zivile Variante oder eine modernisierte Maschine bezieht.

Was das kleine Micro-EDF-Modell tatsächlich bietet

Das Pichler Fan Jet 600 Micro EDF ist ein kompaktes Schaummodell mit 360 mm Spannweite. Der Elektromotor und der Impeller gehören zum Lieferumfang. Mit einem Fluggewicht von ungefähr 29 g richtet sich das Modell vor allem an Einsteiger, Hallenflieger und Modellbauer, die ohne großen Aufbauaufwand starten möchten.

Als Akku ist ein 2S-LiPo mit etwa 260 mAh vorgesehen. Das entspricht einer Nennspannung von 7,4 V. Eine höhere Zellzahl klingt zwar nach mehr Leistung, kann Motor, Regler und Impeller aber schnell überlasten. Ohne ausdrücklich freigegebene Antriebskombination würde ich daher nicht auf 3S wechseln.

  • Spannweite ungefähr 360 mm
  • Fluggewicht etwa 29 g
  • Antrieb mit Elektromotor und integriertem Impeller
  • Akkuempfehlung meist 2S mit 260 mAh
  • Steuerung über Quer-, Höhen- und Seitenruder sowie Motor
  • Schaumrumpf und Schaumflächen für schnellen Aufbau

Preislich wurden solche Sets im Handel ungefähr zwischen 40 und 50 Euro gelistet. Die Verfügbarkeit schwankt allerdings, weil es sich nicht überall um ein dauerhaft lieferbares Standardmodell handelt. Bei Restbeständen oder gebrauchten Angeboten sollte man besonders auf einen unbeschädigten Impeller, einen geraden Rumpf und einen passenden Akkuanschluss achten.

Seine Stärke liegt nicht in hoher Geschwindigkeit, sondern im unkomplizierten Handling. Das geringe Gewicht macht das Modell robust bei kleinen Landefehlern, gleichzeitig reagiert es empfindlich auf Wind. Für den Außenflug ist deshalb ruhiges Wetter deutlich wichtiger als eine große freie Fläche.

Elektronik und Antrieb richtig auslegen

Bei einem 29-g-Modell entscheidet jedes zusätzliche Gramm über das Flugverhalten. Ein schwerer Akku kann den Schwerpunkt verschieben und die gesamte Konstruktion träge machen. Ich würde deshalb zuerst den vom Hersteller vorgesehenen Akku testen und erst danach über Alternativen mit höherer Kapazität nachdenken.

Akku und Stromversorgung

Der Akku sollte mechanisch sicher sitzen, darf aber nicht so fest eingeklebt werden, dass sich der Schwerpunkt später nicht mehr korrigieren lässt. Ein 2S-LiPo mit 260 mAh ist ein sinnvoller Ausgangspunkt. Wichtig sind außerdem ein guter Zustand der Zellen, ein passender Stecker und eine ausreichende Entladerate.

Die Flugzeit hängt stark vom Flugstil ab. Bei einem kleinen EDF-Antrieb wird im Vollgasbetrieb deutlich mehr Strom benötigt als beim normalen Rundflug. Statt eine genaue Zeit zu versprechen, würde ich die ersten Flüge kurz halten und anschließend kontrollieren, wie viel Kapazität tatsächlich nachgeladen wird.

Regler und Empfänger

Bei Micro-Modellen kommt häufig ein sehr kleiner Empfänger-Regler zum Einsatz. Je nach Ausführung kann dieser bereits für bestimmte Fernsteuerungssysteme vorbereitet sein. Vor dem Kauf sollte deshalb geklärt werden, ob das vorhandene Funksystem kompatibel ist oder ob ein separater Empfänger benötigt wird.

Die Stromaufnahme sollte man mit einem geeigneten Messgerät unter realer Last prüfen. Ein Regler, der nur knapp an seiner Belastungsgrenze arbeitet, kann sich im engen Schaummodell stark erwärmen. Ein paar Minuten Messaufwand sind hier sinnvoller als ein blindes Upgrade auf einen größeren Akku.

Lesen Sie auch: Wie viel dB hat ein Jet? Die Wahrheit über Fluglärm

Schwerpunkt und Leitungen

Der Schwerpunkt gehört exakt nach Herstellerangabe eingestellt. Schon wenige Millimeter Abweichung können bei einer Spannweite von 360 mm deutlich spürbar sein. Kabel sollten kurz, sauber verlegt und so befestigt werden, dass sie weder in den Impeller geraten noch die Ruderanlenkungen behindern.

Vor dem ersten Flug prüfe ich bei solchen Modellen immer den kompletten Stellweg der Servos, die Laufrichtung des Motors und die sichere Befestigung des Akkus. Besonders der Impeller verdient Aufmerksamkeit. Lose Schaumreste oder ein schief sitzender Rotor führen zu Vibrationen, Leistungsverlust und unnötigem Stromverbrauch.

Typische Fehlkäufe und was besser funktioniert

Der häufigste Irrtum besteht darin, das Micro-EDF-Modell mit dem Antrieb des historischen Schulflugzeugs gleichzusetzen. Das Original arbeitet mit einer leistungsstarken Turbine und einem großen Mantelfan, während das Modell einen kleinen elektrischen Impeller verwendet. Die ähnliche Bezeichnung beschreibt also nicht dieselbe technische Klasse.

  • Falsche Erwartung an den Sound: Ein Impeller klingt turbinenähnlich, erzeugt aber nicht das Geräusch einer echten Gasturbine.
  • Zu hohe Akkuspannung: Ein 3S-Akku kann den vorgesehenen Motor oder Regler überlasten.
  • Zu schwerer Akku: Mehr Kapazität verlängert die Flugzeit nicht automatisch, wenn das Modell dadurch zu schwer wird.
  • Wind unterschätzt: Ein 29-g-Modell verliert bei Böen schnell an Kontrolle und Geschwindigkeit.
  • Impeller nicht geprüft: Schon kleine Beschädigungen können Unwucht und hohe Stromaufnahme verursachen.

Wer eine echte Turbine für ein größeres Modell sucht, sollte gezielt nach einer zugelassenen Modellgasturbine mit passendem Schubbereich suchen. Das ist ein anderes Projekt mit Kraftstoffsystem, ECU, Starter, Abgasbereich und deutlich höheren Sicherheitsanforderungen. Für einen unkomplizierten Einstieg in den EDF-Flug ist die kleine Elektrovariante die vernünftigere Wahl.

Wer sich dagegen für das Original interessiert, sollte die technische Lösung als Inspirationsquelle betrachten. Die Position des Antriebs nahe am Schwerpunkt, die Mantelschraube und die jetähnliche Rumpfform zeigen sehr anschaulich, wie sich Flugverhalten, Antrieb und Aerodynamik gegenseitig beeinflussen.

Die wichtigste Entscheidung fällt vor dem ersten Kauf

Für den Modellbau sollte die Bezeichnung zunächst in zwei Richtungen geprüft werden. Geht es um das historische Flugzeug, stehen Turbowelle, Mantelfan und Flugzeugtechnik im Mittelpunkt. Geht es um das kleine RC-Set, zählen dagegen Akkugewicht, Empfängerkompatibilität, Schwerpunkt und der Zustand des Impellers.

Meine praktische Einschätzung fällt klar aus: Das Micro-EDF-Modell ist interessant, wenn ein leichtes, schnelles und relativ einfaches Elektroprojekt für Halle oder windstille Tage gesucht wird. Wer eine echte Turbine erwartet, wird enttäuscht sein. Wer die Antriebstechnik sauber trennt und die Elektronik innerhalb der vorgesehenen Grenzen betreibt, bekommt dagegen ein ungewöhnliches kleines Modell mit viel technischem Lernwert.

Häufig gestellte Fragen

Der Fantrainer 600 ist ein zweisitziges Schulflugzeug mit einer Allison- beziehungsweise Rolls-Royce-M250-C30-Turbowelle und Mantelfan. Das Fan Jet 600 Micro EDF ist dagegen ein 360 mm großes Schaummodell mit Elektromotor und Impeller, etwa 29 g Fluggewicht und einem empfohlenen 2S-Akku.

Vorgesehen ist meist ein 2S-LiPo mit etwa 260 mAh und 7,4 V Nennspannung. Ein 3S-Akku sollte ohne ausdrücklich freigegebene Antriebskombination nicht verwendet werden, da Motor und Regler überlastet werden können.

Der Schwerpunkt muss nach Herstellerangabe eingestellt werden. Außerdem sollten Servowege und Laufrichtungen, die Akkubefestigung, die Kabelführung sowie der Zustand und Sitz des Impellers kontrolliert werden. Eine Messung der Stromaufnahme unter Last hilft, eine Überlastung des kleinen Reglers zu vermeiden.

Das Modell eignet sich für Hallenflug und ruhiges Wetter im Freien. Wegen des geringen Fluggewichts von etwa 29 g reagiert es empfindlich auf Wind und Böen, weshalb windstille Bedingungen wichtiger sind als eine besonders große freie Fläche.

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Autor Elmar Völker
Elmar Völker
Mein Name ist Elmar Völker und ich beschäftige mich seit 12 Jahren mit Militär- und Technik-Modellbau, insbesondere im Bereich der Elektronik. Schon als Kind war ich fasziniert von der Präzision und dem Detailreichtum, die in jedem Modell stecken. Diese Leidenschaft hat mich dazu gebracht, mich intensiv mit den technischen Aspekten des Modellbaus auseinanderzusetzen und mein Wissen stetig zu erweitern. In meinen Artikeln möchte ich anderen Modellbauern helfen, komplexe Themen verständlich zu machen. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen klar und präzise zu präsentieren, damit auch Einsteiger die Grundlagen des Modellbaus nachvollziehen können. Ich überprüfe stets meine Quellen und halte mich über aktuelle Trends auf dem Laufenden, um sicherzustellen, dass die Leser immer die neuesten und relevantesten Informationen erhalten. Mein Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, die nicht nur informativ, sondern auch inspirierend ist.

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Kommentare

1
GR

Greta

Ah ja, der Fantrainer. GUT DAS IHR DAS KLARSTELLT. Viele denken da nur an das Original, aber die Modelle sind auch sehr beliebt. Mein Enkel hat auch so ein kleines Elektro-EDF-Modell, das fliegt ganz gut. Aber man muss aufpassen mit dem Akku, das stimmt. 😊